Thema: Globalisierung vs. Vereinzelung(?)

+ Antworten + Neues Thema erstellen
Ergebnis 1 bis 4 von 4
Forum: Philosophie
Das Forum für einen regen Austausch über Religion, Mystik, Spiritualität, Esoterik, Magie und Astrologie.
      
   
  1. #1

    Standard Globalisierung vs. Vereinzelung(?)

    -->
    Vor 100 Jahren waren die meisten Menschen hier in Deutschland noch fest eingegliedert in Famlie und religiöse Gemeinde. Man hat gemeinsam zu Mittag gegessen, hat regelmäßig im Dorf gefeiert und das gemacht, womit Papa und Opa schon ihre Brötchen verdient haben. Heute ziehen die Leute von einer Stadt in die nächste, verschieben einen Großteil ihrer sozialen Kommunikation ins Smartphone, können sich nahezu überall auf der Welt verständlich machen, diese kontaktieren oder innerhalb von weniger als 24 Std. dort hin reisen. Also auf der einen Seite lösen sich die Menschen aus Gemeinschaften heraus wie eine Ameise, die ihren eigenen Hügel anfängt, und auf der Anderen Seite gibt es weniger Völker oder Zusammenschlüsse Einzelner, die sich gegenseitig bekriegen, sondern jetzt ist es der Einzelne der kämpft. Sind alle nur in einen neuen Ameisenhügel namens "Welt" umgezogen, oder ebnet sich gerade alles ein? Wie hängt die Vereinzelung des Einzelnen mit der Vernetzung der Einzelnen zusammen? Wird die Weltbevölkerung gleichartiger oder unterschiedlicher und warum? Welche Entwicklungen erwartet die Menschheit in naher Zukunft politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, psychisch, ökologisch und wie/warum hängen sie mit dem Thema zusammen. Hört sich jetzt ein bisschen wie eine Deutschaufgabe an, das sind aber nur Anregungen, schreibt was euch dazu einfällt.

  2. #2

    Standard

    Zitat Zitat von baedr Beitrag anzeigen
    verschieben einen Großteil ihrer sozialen Kommunikation ins Smartphone, können sich nahezu überall auf der Welt verständlich machen, diese kontaktieren oder innerhalb von weniger als 24 Std.
    Die modernen Menschen neigen oftmals zur Nekrophilie, soll nicht heißen dass sie sexuelles mit toten vollführen möchten, sondern dass sie eine Affinität zum leblosen mit dem "nur rein" mechanischen besitzen. Soll heißen: der Mensch ist immer mehr mit Dingen (Objektien, und nicht mit Menschen) beschäftigt. Er ist darüber hinaus damit beschäfgit, eben diese Dinge zu produzieren. Insofern ist das Phänomen der "wahren Liebe" - Heute - ein seltenes und rares Phänomen geworden.

    Zum Thema Vereinzelung, kann man sagen, dass die Menschen sich zwar nach einer Einheit mit einem anderen Individuum sehnen, die gesellschaftliche Konstruktion und unsere Ausrichtung nur danach zu handeln, nur was für uns einen Zweck hat, verhindern dies. Die Beziehungen der Menschen haben einen Charakter erhalten, der am Markt orientiert ist. Soll heißen; man empfindet sich als Objekt, eine Ware am Markt - wobei es gilt - das ganze Paket - was der Mensch darstellt an den Markt zu bringen. Die Menschen treten sich insofern als Marktobjekte gegenüber - und sind voneinander entfremdet.

    Die Entfremdung des Menschen hat aber eher mit der Industrialisierung zu tun, als mit der Globalisierung die eine Weiterentwicklung der Industrialisierung darstellt. Früher gab es wenige industrialisierte Staaten, wie z.b. England, dann USA usw. Heute treten Industrialisierte Staaten im globalen Handel auf (Globalisierung).

    Darüber hinaus führt der Materialismus (Orientierung am Haben wollen) dazu, dass wahre Liebe unmöglich wird. Denn Liebe drückt sich nicht im Besitz von Menschen aus, sondern ist sie ein schöpferischer Prozess bei dem entwas ensteht: und zwar der liebende Mensch blüht auf, und im geliebten Menschen werden alle Lebenskräfte geweckt.

    Wie sich der Materialismus auf Beziehungen der Menschen, z.b. bei der Nachbarschaft, Freundschaft usw auswirkt wird hier angedeutet. (leider ist es auf Englisch)

    The Mike Wallace Interview: Erich Fromm (1958-05-25)

    Erich Fromm, psychoanalyst and social critic, talks to Wallace about society, materialism, relationships, government, religion, and happiness.



    2. Die modernen Kommunikationsmedien und Transportmöglichkeiten haben - bezogen auf die romantische Beziehung - diese nicht einfacher gemacht sondern nur noch erschwert. Früher - ist man wie du richtig geschrieben hast, in einem Dorf geblieben und hat in einer kleinen Sippe gelebt die man leicht überblicken konnte.

    Du sagst ebenfalls: "Man hat gemeinsam zu Mittag gegessen, hat regelmäßig im Dorf gefeiert und das gemacht, womit Papa und Opa schon ihre Brötchen verdient haben."

    Durch die herausbildung von Ballungszentren, den Großstädten, hat sich eine neue Anonymität des Menschen gezeigt, d.h. alles hat sich zur Vereinsamung des Menschen entwickelt, und zwar, weil der Mensch in der Großstadt die meiste seiner Zeit mit Geldverdienen, mit seiner Suche nach Erfolg, mit Geld, und mit Dingen beschäftigt ist. Er verbringt 8h am Tag auf der Arbeit und mit seiner Familie zu Hause. Mit den meisten anderen tritt der Mensch nur selten - und wenn nur in oberflächlichen und flüchtigen Kontakt, weil jeder sozusagen in einem Hamsterrad steckt und nur nach vorne schaut. Die heute Zeit ist gekennzeichnet von einer Dynamik, der Beschleunigung und einer Zeit des Überlebenskampfes. Darüber hinaus, hat die Gesellschaftskonstellation den Egoismus im Menschen ausgeprägt - nicht weil der Egoismus selbst im Menschen in seinem Charakter verankert wäre, sondern weil es das Ergebnis der gesellschaftlich - politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse ist.

    Soll heißen: die Menschen sind die meiste zeit mit sich selber beschäftigt, und sind von der Welt abgetrennt weil keine Harmonie mit der Umwelt, den Mitmenschen und der Umwelt vorhanden ist. Der Egoismus wird gefördert und zerstört im Vorfeld die Harmonie mit allen anderen mitmenschen. Die Tatsache, dass dadurch Menschen vereinsamen und sich von einander entfremden versuchen viele durch Kompensationsverhalten zu kompensieren, in dem sie sich an den propagierten Dogmen orientieren, dass Glück gleich Konsum bedeutet - und dass pures Glück die Erfüllung aller Bedürfnisse darstelle (radikaler Hedonismus). Die Obsession (Besessenheit) der Erfüllung aller Bedürfnisse oder Leidenschaften, füht nicht zum Glückszustand, weil ein Bedürfnis, nach dem es befriedigt worden ist, seinen Höhepunkt erreicht hat und danach eine Phase der Depression einkehrt. Wie nach dem Hochpunkt bei der Achterbahnfahrt, geht es nämlich schnell wieder nach unten.

    Insofern leben wir im größten Experiment der Menscheitsgeschichte; nämlich die Erfüllung der Bedürfnisse der breiten Massen und Realisation des Wohlstands für einen großteil der Bevölkerungsschichte. Dennoch leben wir in einer Gesellschaft von notorisch unglücklichen, einsamen und ängstlichen Menschen.

    Die Menschen fühlen dass etwas nicht stimmt, machen aber weiter in ihrem Hamsterrad, und versuchen die Entremdung entweder durch Konsum zu kompensieren oder das Festkrallen an Dingen, wonach sie sich definieren. Soll heißen: ich bin das was ich habe, und was bin ich, wenn ich verliere was ich habe?

    Höhere Produktion und höherer Konsum (durch das zur Verfügung stehende Geld) führt nicht zum Glück und schafft die Entfremdung (Vereinsamung und Vereinzelung) des Menschen nicht ab, weil zugespitzt formuliert - heute - der Mensch für die Dinge da ist - und nicht die Dinge für den Menschen. Der Menscht ist zu einem Sklaven eines Apparates geworden der Dinge produziert, die er zur Erfüllung seiner Bedürfnisse braucht. Da aber der Mensch der Erfüllung aller seiner Leidenschaften und Bedürfnisse nachstrebt ist er nicht nur ein Sklave der Maschinerie geworden, welche die Waren produziert, sondern auch ein Sklave seiner eigenen Bedürfnisse!

    Auf deinen letzten Absatz gehe ich hier nicht ein:

    "Wird die Weltbevölkerung gleichartiger oder unterschiedlicher und warum? Welche Entwicklungen erwartet die Menschheit in naher Zukunft politisch, wirtschaftlich, gesellschaftlich, psychisch, ökologisch und wie/warum hängen sie mit dem Thema zusammen. Hört sich jetzt ein bisschen wie eine Deutschaufgabe an, das sind aber nur Anregungen, schreibt was euch dazu einfällt."

    Weil die Frage zu allgemeint ist, und schwierig zu beantworten ist: "Welche Entwicklungen erwartet die Menschheit in naher Zukunft?" Suche dir Bücher zu diesen Themen (wirtschaft, soziologie, psychologie) höre dir viele Voträge an und versuche dir ein eigenes Bild zu machen. Am Beispiel der EU Schuldenkrise kannst du sehen, dass die Zukunft selbst im Punkt wirtschaft nicht absehbar ist, in welche Katastrophie wir hineingleiten und dass das System (der Patient) selbst nur künstliche Eingriffe des Staates am Leben erhalten wird, sonst wäre der Patient längst gestorben.

    Alleine zur Eurokrise gibt es tausende propagandistische Äußerungen aus Medien und Politik, so dass der normale Bürger kaum mehr in der Lage ist durch die Themen hindurchzublicken. Darüber hinaus werden Begriffe benutzt um die Lage zu beschönigen: ein passendes Wort dazu "konsolidierung", soll heißen: Entschuldung! Insofern wird die Lage von der Politik verschönert dargestellt um eine Panik in der Bevölkerung zu vermeiden. Darüber hinaus sorgen die 1000 Experten zum Thema Wirtschaft mit Ihrem Fachvokabular, ein Jugen an Begriffen, in dem der Bürger nicht mehr hindurchschauen kann - und das auch nicht soll!

    Ein Vortrag zum Thema von einem Professor findest du hier:

    Vortrag über die Eurokrise in Berlin - Prof. Wilhelm Hankel

    Meiner Ansicht nach ist er derjenige der - entgegen den weitläufigen Darstellungen - die Wahrheit zu den Bürgern spricht, anstatt die Wahrheit zu vertuschen oder zu beschönigen, es ist also in dem Sinne keine Marionette des System und kein Systemopportunist - was man über viele Wissenschaftlter und sog. Experten - die im Auftrag der Lobbys arbeiten [im politischen Kontext eine Interessengruppe, die eine gemeinsame Meinung vertritt und dieser Geltung zu verschaffen sucht, siehe Lobbyismus].




    Ich habe hier nur zwei Drei von dir erwähnten Themen angerissen und du merkst dass es immer mehr Material wird, mit dem man sich hier auseinandersetzen muss - und genau das ist ein politisches Kalkül. Nämlich: da der einzelne mit der Arbeit und seinem Leben beschäftigt ist - und ein großteil seiner Zeit mit seiner Familie oder anderen privaten Dingen beschäftigt ist, hat er kaum Zeit sich gesellschaftlichen Themen zu widmen. Aus diesem Grunde wird der Bürger unmündig und unterliegt der Kontrolle und dem Lügengebilde, welches er kaum imstande ist, zu durchblicken.
    Geändert von maddog8427 (18.09.2013 um 19:13 Uhr)

  3. #3

    Standard

    Ihr beiden sprecht mir aus der Seele

  4. #4

    Standard

    Zitat Zitat von hesse Beitrag anzeigen
    Ihr beiden sprecht mir aus der Seele
    ich habe nur versucht in eigenen Worten auszudrücken, was bereits psychoanalytiker oder Humanisten wie Marx etc. vor jahren ausgesagt haben.

    Wenn euch die Psychoanalyse interessiert, dann erklärt Erich Fromm in einer verständlichen Sprache die Probleme der modernen Gesellschaft, dazu gibt es Bücher wie von ihm, von dem jedes lesenswert ist.

    Es gibt darüber hinaus Voträge von Fromm zu diesen Themenkomplexen:

    Warum Liebe heute so schwierig und selten ist, und Erscheinungsformen von Liebe, das Liebe genannt wird, jedoch gar keine ist.



    Die Seelischen und geistigen Probleme der Überflussgesellschaft



    Überfluss und Überdruss



    Der Mensch in einer sozialisierten Welt von Marcuse



    Gespräch mit Herbert Marcuse in dem die entmenschlichte und entfremdete Arbeit thematisiert wird



    Tipp: Die Vielfalt der Themen und Thesen ist vielseitig und sie greifen ineinander über, ich hatte mir einen Block geholt und dort alle Themen mit überschrift kurz zusammengefasst die Thesen und Hauptaussagen, es sind Vorträge von 30min - 45 min und über 1h Dauer, und ich bin immer wieder erstaunt dass dabei keine Langeweile aufkommt, weil die Soziologen die Dinge so klar und spannend schildern!

    Insofern kann sich jeder Wissen aneignen, und gegen Behauptungen argumentieren, die aussagen, dass der kapitalismus mit einer stets größer werdenden Produktion Wohlstand für alle schafft. Das tut er nämlich nicht, weil (nach Marcuse) eine Quantitative Erhöhung der Produktionsmenge keine Qualitative Verbesserung des Lebens nach sich zieht, und weil grenzenloser Konsum und Befriedigung aller Bedürfnisse (radikaler Hedonismus) nicht zum Glück führt.

    "Viele ethische Theorien sind seit dem 18. Jahrhundert entwickelt
    worden – teils respektablere Formen des Hedonismus,
    wie der Utilitarismus, teils strikt antihedonistische Systeme
    wie jene von Kant, Marx, Thoreau und Schweizer. Dennoch
    ist unsere heutige Zeit seit Ende des Ersten Weltkriegs
    weitgehend zur Theorie und Praxis des radikalen Hedonismus
    zurückgekehrt. Das Konzept des unbegrenzten Vergnügens
    steht in merkwürdigem Gegensatz zu dem Ideal disziplinierter
    Arbeit, ebenso wie das zwanghafte Arbeitsethos dem Ideal
    völliger Faulheit in den freien Stunden des Tages und im Urlaub
    widerspricht. Fließband und bürokratische Routine auf
    der einen Seite, Fernsehen, Auto und Sex auf der anderen
    ermöglichen diese widerspruchsvolle Kombination. Zwanghaftes
    Arbeiten allein würde die Menschen ebenso verrückt
    machen wie absolutes Nichtstun. Erst durch die Kombination
    beider Komponenten wird das Leben erträglich. Außerdem
    entsprechen die beiden gegensätzlichen Haltungen einer öko13
    nomischen Notwendigkeit: der Kapitalismus des 20. Jahrhunderts
    setzt ebenso den maximalen Konsum der produzierten
    Güter und Dienstleistungen wie die Routine-Teamarbeit voraus.
    Theoretische Überlegungen ergeben, daß der radikale
    Hedonismus in Anbetracht der menschlichen Natur nicht der
    richtige Weg zum »guten Leben« ist, und warum er es nicht
    sein kann. Doch selbst ohne diese theoretische Analyse geht
    aus den verfügbaren Daten ganz klar hervor, daß unsere
    »Jagd nach dem Glück« nicht zu echtem Wohlbefinden führt.
    Wir sind eine Gesellschaft notorisch unglücklicher Menschen:
    einsam, von Ängsten gequält, deprimiert, destruktiv, abhängig
    – Menschen, die froh sind, wenn es ihnen gelingt, die Zeit
    »totzuschlagen«, die sie ständig zu sparen versuchen."

    [Erich Fromm: Haben oder Sein] S. 12 f.

    Seneca sagt: "Von allen Seiten bedrängen und umlagern die Laster (Leidenschaften) die Menschen und lassen es nicht zu dass sie sich wieder aufrichten oder die augen zum anblick der wahrheit erheben, vielmehr drücken sie die menschen in die Tiefe und halten sie an der leidenschaft gefesselt. Niemals steht es ihnen frei, zu sich selbst zu kommen. [...] Niemals haben sie (die Menschen) vor ihren eigenen Begierden Ruhe [...]."

    Quelle: http://www.youtube.com/watch?v=pNYC7L8SZnY
    Geändert von maddog8427 (19.09.2013 um 18:31 Uhr)

+ Antworten + Neues Thema erstellen
Dieses Thema konnte dir nicht weiterhelfen?
Kein Problem! In unserer Community darfst du nach Anmeldung neue Themen eröffnen!
Erstelle einfach gleich hier ein eigenes Thema im Forum :)
nicht fündig geworden?
...einfach hier weiter suchen:
Loading

Ähnliche Themen

  1. Globalisierung und Völkerverständigung, passt das überhaupt?
    Von Gutschy im Forum Politik und Gesellschaft
    Antworten: 8
    Letzter Beitrag: 28.01.2011, 08:49
  2. [erledigt] Globalisierung der Welt... Verlust der eigenen Identität?
    Von Patriot im Forum Politik und Gesellschaft
    Antworten: 3
    Letzter Beitrag: 06.06.2001, 20:08